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Wie hast Du es auf den Hubschrauber geschafft

Doc Fetzer Docs Rock Blog 18. September 2026

Ich werde immer wieder gefragt: „Wie ausgerechnet hast du es eigentlich auf den Hubschrauber geschafft?“

Okay, ich versuche das mal eben „schnell“ zu erzählen. Aber damit es eine runde Sache wird, muss ich etwas weiter ausholen:

🏍️ Hintergrund-Story: Zwischen Rockerclub, Blaulicht und Trauma →

Der Tag, an dem alles kippte

Rettungsdienst Einstieg

Ich war noch ein kleiner Steppke – und doch schon mittendrin! Wie konnte das überhaupt gehen? Kinder dürfen doch gar nicht im Rettungsdienst dabei sein? Nun, ich gestehe: Ich habe schon ein paar Jahre auf meinem Lebenstacho, und damals sah man vieles noch deutlich lockerer als heute.

Geprägt hat mich vor allem ein Unfall, den mein jüngerer Bruder erlitt. Ich war an diesem Schicksalstag nicht nur hautnah dabei, sondern aus meiner Sicht auch schuld daran. Wir waren mit den Fahrrädern in der Stadt unterwegs und eigentlich schon spät dran fürs Training im örtlichen Fußballverein. Weil ich die Zeit verbummelt hatte, trieb ich meinen Bruder an, schneller in die Pedale zu treten.

An einer Einmündung schaffte ich es gerade noch über die Straße – mein Bruder radelte genau vor ein heranfahrendes Auto.

Ich war wie festgenagelt. Mein Bruder lag schreiend auf dem Asphalt. Der Autofahrer blieb einfach regungslos im Wagen sitzen und starrte nur. Ich war komplett hilflos, hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Dann kam ein Krankenwagen. Zwei Männer in grauen Uniformen stiegen aus, luden meinen Bruder ein und fuhren mit Tatütata davon.

Ich stand versteinert da – und schwor mir: Das passiert mir nie wieder.

Ich fühlte mich furchtbar. Einerseits wegen der Schuldgefühle, weil ich ihn so gehetzt hatte; andererseits, weil ich in dieser Situation absolut handlungsunfähig gewesen war.


Der Zaun, die Wache und die alte Utila-Trage

Alte Rettungswache

Ich fand heraus, wo die örtliche Rettungswache war. Wochenlang stand ich am Zaun und beobachtete, wie die Sanitäter immer wieder zu den Wagen rannten und mit Blaulicht und Martinshorn vom Hof schossen. Ich war vollkommen elektrisiert. Je öfter ich das sah, desto fester stand der Entschluss: „Da will ich mitfahren!“

Eines Tages nahm ich all meinen Mut zusammen. Der Rettungswagen rollte gerade von einem Einsatz zurück auf den Hof. Rauf aufs Fahrrad, hinterher! Mit großen Augen schaute ich zu, wie die beiden Männer das Auto ausräumten und blutverschmiertes Verbandsmaterial in den Abfall warfen. Die beiden waren nett – und erlaubten mir tatsächlich, beim Saubermachen des Materials zu helfen.

Im Gegenzug erklärten sie mir geduldig jedes einzelne Gerät: wofür man es braucht, wie es funktioniert. Ab diesem Tag stand ich fast täglich auf der Matte und fragte, ob ich mit anpacken durfte.

Utila Trage im Einsatz

Irgendwann fragten sie mich: „Sag mal, willst du eigentlich mal mitfahren?“

Es war ein klassischer Krankentransport: Ein älterer Herr musste aus einem Altenheim ins Krankenhaus verlegt werden. Damals gab es noch keine modernen Fahrtragen mit Rollgestell, wie man sie heute kennt. Die gute alte Utila-Trage hieß noch echte Handarbeit: Tragen im wahrsten Sinne des Wortes. Einen Patienten über enge Flure, Treppen runter und in den Wagen wuchten – das war Knochenarbeit. Vermutlich war ein zusätzliches Paar Hände da gar nicht so unwillkommen. Und ich? Ich fühlte mich verdammt wichtig!


Das Trümmerfeld – Wenn die Realität zuschlägt

Lange Zeit ging das gut. Bei Krankentransporten passierte selten etwas Unvorhergesehenes. Doch eines Abends kippte die Situation schlagartig:

Wir kamen von einer Fernverlegung aus dem gut 80 Kilometer entfernten Würzburg zurück. Rund 15 Kilometer vor Bad Königshofen – es war längst nach 22 Uhr – krächzte plötzlich der Funk: Schwerer Verkehrsunfall. Ich war damals vielleicht zwölf Jahre alt.

Vieles aus dieser Nacht ist wie im Rausch verschwunden. Aber die Bilder vor Ort habe ich bis heute vor Augen: Es glich einem Schlachtfeld. Trümmerteile lagen meterweit über die Straße verstreut. Blech, Gummireste, Scherben, herausgerissene Motorteile. Dazu dieser ganz spezifische Geruch – eine beißende Mischung aus heißem Motoröl, Benzin und Blut. Der Rettungswagen hielt mitten auf der Fahrbahn, Motor lief, das Blaulicht zerschnitt die Dunkelheit.

Die Kollegen riefen mir noch zu: „Du bleibst beim Auto!“ – und sprinteten zu zwei Schwerverletzten aufs angrenzende Feld.

Ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt. Plötzlich kam eine Frau völlig hysterisch auf mich zugerannt, packte mich am Arm und schrie: „Stehen Sie nicht rum, da drüben liegt noch einer!“ Sie zerrte mich Richtung Gehsteig.

Direkt an der hohen Bordsteinkante lag eine leblose Person, das Gesicht nach unten – als hätte er sich dort einfach schlafen gelegt.
„Jetzt machen Sie doch endlich was!“, schrie die Frau.
„Ich brauche Licht!“, rief ich, rannte zum RTW zurück und holte den großen Handscheinwerfer, der zwischen Fahrer- und Beifahrersitz montiert war. Ich drückte ihn der Frau in die Hand: „Hier – leuchten Sie!“

Ich drehte den Verunglückten vorsichtig auf den Rücken – und erstarrte vor Schreck: Es war Jonas. Mein Klassenkamerad.

Ihm fehlte die gesamte linke Gesichtshälfte. Und, wie ich im Scheinwerferlicht sofort begreifen musste, auch Teile des Gehirns. Die Frau schrie mich weiter panisch an, ich solle helfen. Ich stolperte ein paar Schritte rückwärts, lehnte mich an einen Gartenzaun und übergab mich in hohem Bogen.

Danach – so wurde es mir später erzählt, denn die Erinnerung setzt hier aus – drehte ich mich ganz ruhig zu der Frau um und sagte sachlich: „Da können wir nichts mehr tun. Das Gehirn liegt auf der Straße. Und sagen Sie bitte nicht 'Sie' zu mir – der Jonas war genauso alt wie ich. Das ist mein Mitschüler.“

Am nächsten Morgen kam ich auf der Wache wieder zu mir. Der Wachleiter, Karl-Heinz „Kalle“ Fuchs, drückte mir eine Tasse Kaffee in die Hand – vermutlich der erste Kaffee meines Lebens. Er redete ruhig auf mich ein und fragte mich geradeheraus, wie es mir geht. Wenn mir das zu sehr an die Nieren gegangen sei, müsse ich pausieren. Wenn ich es aber gepackt hätte, dürfe ich künftig fest mitfahren.

Meine Antwort stand sofort fest: „Mir macht das nichts aus. Ich will weitermachen!“


Der Weg nach oben: Von Dustoff bis Großhadern

US Army Dustoff Schweinfurt US Army Dustoff Schweinfurt

Von da an gewöhnte ich mich an die Härte des Rettungsalltags. Tote und Schwerverletzte gehörten leider regelmäßig dazu. Kalle zeigte mir über die Zeit hinweg unendlich viel: Venenzugänge legen, Vorbereitung zur Intubation, Notfallversorgung von Grund auf.

Bei besonders kritischen Patienten, die schnellstmöglich in Maximalversorger wie Würzburg mussten, landeten gelegentlich die „Dustoff“-Hubschrauber der US Army aus Schweinfurt. Weil die amerikanischen Besatzungen kaum Deutsch sprachen, flog immer einer von uns als Schnittstelle mit. Das waren meine allerersten Berührungspunkte mit der Luftrettung. Tief in mir keimte damals der Traum: Das will ich irgendwann hauptberuflich machen. Doch der Weg dorthin schien meilenweit entfernt.

Klinikum Großhadern Klinikum Großhadern

Mit der Volljährigkeit begann eine intensive Zeit: Ich machte die Ausbildung, gehörte zu den ersten Rettungsassistenten in Bayern und arbeitete später als freiberuflicher Anästhesie- und Intensivpfleger – unter anderem im Klinikum Großhadern. Nebenbei fuhr ich in jeder freien Minute Schichten im bodengebundenen Rettungsdienst in München und Kaufbeuren.

Zeitsprung ins Jahr 1992:

Eines Tages sprach mich einer unserer Großhaderner Oberärzte auf dem Flur an. Er wusste von meiner Doppelrolle zwischen Intensivstation und Straße.
„Stephan“, sagte er, „ich übernehme die ärztliche Leitung auf dem Rettungshubschrauber SAMA SÜD. Wir wollen die Maschine wie eine fliegende Intensivstation ausstatten. Reine Rettungsdienstler stoßen bei den komplexen Beatmungs- und Überwachungsgeräten oft an ihre Grenzen. Ich brauche jemanden an Bord, der Intensiv- und Anästhesieerfahrung mitbringt, aber gleichzeitig den Einsatz auf der Straße in- und auswendig kennt – und das restliche Personal fit macht. Hast du Lust?“

Intensivtransporthubschrauber SAMA SÜD
Intensivtransporthubschrauber (ITH) SAMA SÜD – Die fliegende Intensivstation

Ob ich Lust hatte? Und wie!

Da ich einer der ersten Rettungsassistenten in Bayern war, und den Vorteil hatte, dass ich nicht fest angestellt war – sondern Freiberufler war, habe ich schnell angefangen mir auch andere Wachen, andere Städte usw. anzuschauen. Ich war immer interessiert an anderen speziellen Einsatzmitteln.


Einsatzmittel & Systeme

Hier ein kleiner Einblick in die verschiedenen Systeme, Maschinen und Spezialeinsatzmittel, auf denen ich im Laufe meiner Dienstjahre im Einsatz sein durfte (zum Vergrößern auf die Bilder klicken):

Einsatzmittel 1
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Einsatzmittel 14

Die Kehrseite der Medaille: Das Doppel-Leben

President im Rockerclub und Retter im Einsatz – die ungeschminkte Geschichte über den Unfall auf der B279 und das Trauma:

🏍️ Zum Beitrag: Held und Arschloch

Auf einmal ist alles anders: Wenn das Leben dir das Plektrum aus der Hand schlägt

Doc Fetzer Docs Rock Blog 17. September 2026
Persönlich • Gesundheit • Glaube

Auf einmal ist alles anders: Wenn das Leben dir das Plektrum aus der Hand schlägt

🎙️
Special Podcast-Folge Die Story hinter dem Notfall zum Nachhören
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Stephan Wiegand (Doc Fetzer) im Krankenhaus Ein Lächeln trotz allem: Der Blick geht nach vorne.

Es gibt Momente, die brennen sich so tief in die Festplatte deines Lebens ein, dass kein Formatierungsbefehl der Welt sie je wieder löschen kann. Ein Gefühl, das man eigentlich nie, wirklich nie wieder spüren will – und das mir verflucht noch mal trotzdem nicht ganz fremd ist.

Lebensgefahr.

Eigentlich fing die Geschichte so an, wie meine Nächte eben leider oft anfangen. Bei gesunden Menschen heißt Schlaf: Augen zu, Akku laden, selig wegdämmern. Bei mir? Eher ein nächtlicher Hindernislauf. Durch meine kPTBS und DIS sind Alpträume mein Standardprogramm; oft wache ich schweißgebadet auf. Dazu kam ein extrem zäher, widerlicher Infekt an Stellen, über die man beim Sonntagsbraten eher nicht spricht – Hoden und Nebenhoden, sieben Wochen lang. Die Erregersuche glich einer kriminalistischen Meisterleistung, wirksame Medikamente waren Mangelware, dafür gab es ordentlich Schmerzen und Fieberspitzen bis 39,5 Grad gratis dazu.

Ein ganz normaler Wahnsinn also. Dachte ich zumindest. Bis zu dieser einen Samstagnacht.

Der Axt-Schlag und die stumme linke Seite

Ich wache auf. Kopfschmerzen. Aber nicht die Sorte „zu viel Espresso und zu wenig Wasser“, sondern die Variante: Jemand hat versucht, mir mit einer rostigen Axt den Schädel zu spalten. Das Bett triefend nass, als hätte einer einen Zehn-Liter-Putzkübel drüber ausgekippt. Mein erster Instinkt: Raus hier. Das nasse Zeug loswerden.

Wer mich kennt, weiß: Für mich heißt „raus aus dem Bett“ nicht einfach die Beine über die Kante schwingen. Seit Jahren fahre ich im Rollstuhl durchs Leben, mein linkes Bein gehört mir ab Knie abwärts nicht mehr wirklich. Aber daheim bin ich ein akrobatischer Meister im Hangeln – jede Schrankkante, jeder Türrahmen, jede Fuge im Boden ist mein bester Freund. An guten Tagen schnappe ich mir meine Schiene (Orthese), den Stock, und ziehe mich am Galgen meines Pflegebetts hoch.

Also greife ich nach dem Galgen.

Und… nichts.

Mein linker Arm hing da wie ein nasser Sack Mehl. Null Reaktion. „Draufgelegen. Eingeschlafen. Gleich wird’s kribbeln“, redet man sich ein. Aber innerhalb von Sekunden wurde klar: Da schläft nicht nur der Arm. Die komplette linke Körperhälfte hatte kollektiv beschlossen, die Arbeit niederzulegen.

Jetzt stehst du – pardon: liegst du – da. An die Orthese komme ich einarmig nicht ran. Aber mit aller Kraft robbe ich mich zur Bettkante. Mein Plan? Mit dem rechten Arm irgendwie in die Küche hangeln, ein bisschen in Bewegung kommen, dann wird sich das schon wieder „freilaufen“.

Spoiler: Hat es nicht.

Time is Brain

Irgendwann schluckte ich meinen Stolz runter und weckte meine Frau. Da sitzt du dann an der Bettkante und stellst dir die idiotischste Frage der Welt: „Bin ich jetzt ein wehleidiger Hypochonder, wenn ich wegen ein bisschen Taubheit den Notruf wähle? Oder warten wir erst mal ab?“

Genau in dem Moment meldete sich mein alter medizinischer Verstand mit der Brechstange: Verdacht auf Schlaganfall = Lebensgefahr = Time is brain! Da gibt es kein Abwarten. Keine falsche Scham. Blaulicht. Jetzt.

Als der Rettungsdienst im Zimmer stand, trat genau das Gegenteil von Entwarnung ein. Mein Puls ging durch die Decke. Ich selbst habe im Kopf alles glasklar mitbekommen – doch als ich den Mund aufmachte, klang es verwaschen, lallend, fremd. „Der Mundwinkel hängt links.“

In solchen Sekunden geht dir ein unbarmherziges Gedankenfeuerwerk durch den Schädel. Als gläubiger Christ versuchst du natürlich, im Gebet Ruhe und Frieden zu finden. Aber ich bin ehrlich mit euch: Das ist verdammt viel leichter gesagt als getan, wenn die Sirenen heulen und dein eigener Körper meutert. Meine Frau hat vor Ort für mich gebetet – und das war der Anker, der mir in diesem Chaos überhaupt erst wieder festen Boden unter die Füße gab.

Stroke Unit: Zwischen Piepen und Galgenhumor

Notfallzentrum, ab ins CT, und zack: Abmarsch auf die Stroke Unit. Für diejenigen, die das Glück hatten, so ein Ding noch nie von innen gesehen zu haben: Das ist eine hochspezialisierte Überwachungsstation für Schlaganfälle, im Grunde fast wie eine Intensivstation.

Verkabelt von oben bis unten. EKG-Piepen, ständige Blutdruckmanschetten, Sauerstoff, gefühlt stündlich in die Fingerkuppe pieksen für den Blutzucker. Und überall Monitore.

Überwachungsmonitor Stroke Unit IntelliVue-Monitor: Vitalwerte im Sekundentakt
Infusionsständer und Perfusoren Volles Programm: Spritzenpumpen und Dauerüberwachung

Doch die ersten Stunden brachten ein gewaltiges Aufatmen: Die Symptome bildeten sich langsam zurück. Am nächsten Tag war der Arm zwar noch sauschwer und pelzig, der linke Mundwinkel fühlte sich an wie frisch betäubt beim Zahnarzt, und an der Oberschenkelinnenseite war’s taub – aber ich dachte: „Doc, wenn das alles ist, kaufst du dir davon ein Eis. Danke, Gott – das hätte ganz anders ausgehen können!“

Ich lag da an Tag 2 und wartete eigentlich nur noch auf die Visite mit dem Spruch: „Alles wieder gut, Herr Wiegand, packen Sie Ihre Sachen, Sie dürfen heim.“

Pustekuchen.

Die Axt im Kopf hat einen Namen

Die Ärztin kam, schaute ernst und sagte etwas völlig anderes:

Ich hatte nicht nur eine kleine Durchblutungsstörung. Ich hatte mehrere kleine Hirninfarkte erlitten.

Und weil ich für so ein „Streufeuer“ im Gehirn eigentlich zu jung bin, begann die fieberhafte Suche nach dem Warum. Verdacht: Das Herz. Denn oft steckt da ein angeborenes „Loch“, das den Müll direkt ins Gehirn feuert. Mein Gehirn meldete sich trocken zurück: „Ja klar, es hätte schlimmer kommen können – und genau deshalb kommt es jetzt erst richtig dicke.“

Bettperspektive Stroke Unit Blick von der Bettkante: Zwischen Kabeln und Piepen
Schild Nüchtern Kein Espresso, kein Frühstück: Vorbereitung auf das TEE

Also ab zum Schluckultraschall (TEE). Klingt harmlos, ist aber im Grunde eine Magensonde mit Ultraschallkopf, die man dir in die Speiseröhre schiebt, um das Herz von hinten auf die Mattscheibe zu bekommen. Romantisch ist anders.

Das Ergebnis war eindeutig: Vorhofseptumaneurysma mit PFO.

Auf gut Deutsch: Ich habe tatsächlich ein Loch in der Trennwand zwischen den Herz-Vorhöfen. Normalerweise sorgt diese Wand dafür, dass das Blut die richtigen Umwege nimmt und gefiltert wird. Bei mir schlüpft das Blut „abkürzend“ durch die Wand, nimmt kleine Gerinnsel Huckepack und schießt sie ungebremst ins Hirn. Peng. Streufeuer im Kopf.

Und jetzt? Der Schirmchen-Termin steht

Die Konsequenz ist alternativlos: Das Loch muss dichtgemacht werden. Ein interventioneller Eingriff (PFO-Verschluss).

Der OP-Termin steht bereits fest: in genau 14 Tagen.

Einerseits bin ich extrem dankbar, dass das so unfassbar schnell geht und ich nicht monatelang auf glühenden Kohlen sitzen muss. Andererseits… ganz ehrlich? Mir geht der Frack. Wer da behauptet, er marschiere mit einem lässigen Pfeifen in eine Herz-OP, der lügt. Es ist ein mulmiges, verdammt beklemmendes Gefühl.

Ich lag jetzt wochenlang flach, war ausgebremst und zum Stillstand verdonnert. Mein engstes Umfeld schlägt wahrscheinlich gerade kollektiv die Hände über dem Kopf zusammen und ruft: „Stephan, mach langsam!“

Aber wisst ihr was? Das ist genau der Treibstoff, der mich am Leben hält. Ich will diese Baustelle abhaken. Ich will dieses Loch im Herzen geflickt wissen. Denn mein Kopf quillt über: Ich will zurück ans Mikrofon. Zurück an die Gitarren-Riffs. Zurück an die Manuskripte. Zurück ins Studio.

Der Herr da oben hat mich am Wochenende nicht umsonst vor Schlimmerem bewahrt. Die Saiten sind noch nicht gerissen, die Boxen nicht stumm. Das Konzert geht weiter – jetzt wird erst mal das Herz repariert, und dann drehen wir die Regler wieder voll auf.

Haltet mir in zwei Wochen die Daumen und schließt mich in eure Gebete ein.

Rock on,
Euer Doc

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Wie 9/11 und ein Number-Nine-Konzert einen Song erschufen: Die Geschichte hinter „Justice is here“

Doc Fetzer Docs Rock Blog 12. September 2026
Songwriting & Zeitgeschichte

Wie 9/11 und ein Number-Nine-Konzert einen Song erschufen: Die Geschichte hinter „Justice is here“

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Justice is here Artwork

Erinnerungen sind für mich immer etwas Komisches – vor allem im Gepäck mit kPTBS und DIS. Aber wie bei so vielen Menschen gibt es dieses eine historische Ereignis, bei dem man bis heute genau weiß, was man damals gemacht hat. Bei mir war es 9/11. Die Geschichte dieses Songs beginnt jedoch ein paar Tage früher, im September 2001.

Ich war damals mit meiner Band Wheep Up unterwegs und wir haben uns am 8. September 2001 den Auftritt der Band Number Nine angeschaut, um uns ein bisschen bei der Songauswahl und Bühnenpräsenz inspirieren zu lassen. Der Opener des Abends hat mich komplett abgeholt: „Let me entertain you“ von Robbie Williams – damals kannte ich den Song noch gar nicht richtig. Das prägnante Piano-Intro, die Stroboskope, die Lichteffekte.

Da Internet und Handys damals noch in den Kinderschuhen steckten, hieß es: merken, was geht. Am 11. September hatte ich frei und wollte unbedingt so ein ähnliches, treibendes Feeling aufbauen. Ich setzte mich an mein Keyboard, probierte auf dem Boden herum und schmierte mir die Harmonien auf einen alten Briefumschlag. Eine Melodie war da, aber es fehlte der Text. Ich machte den Fernseher an, blätterte im Teletext und verfolgte fassungslos, wie sich die Meldungen über ein vermeintliches Sportflugzeug rasant überschlugen. Die Bilder von den brennenden Türmen flimmerten über den Bildschirm, während ich – wie ferngesteuert – meinen Songtext zu Papier brachte: „JUSTICE IS HERE!“

Parallel baute ich meinen 8-Spur-Recorder auf, um ein brauchbares Demo aufzunehmen. Um den Song zu sichern, lud ich ihn damals auf der für mich damals neuen Plattform MP3.de hoch. Die Resonanz war gewaltig: Über Wochen hinweg stand der Song dort auf Platz 1 der Hitparade. Den originalen Piano-Lauf spiele ich bis heute im Kopf, und wenn ich daran denke, dass ich als eigentlicher Nicht-Pianist diesen Lauf damals intuitiv aus dem Gefühl heraus eingespielt habe, macht mich das bis heute ein bisschen stolz.

Live in der Karthalle Kaufbeuren (März 2015)

Live in der Karthalle Kaufbeuren Karthalle Kaufbeuren (2015)
Leszek Fallinski am Keyboard Leszek Fallinski (†) am Keyboard
Doc Fetzer Live Karthalle Bühnenshow & Rock-Power

Im März 2015 haben wir den Song mit meiner damaligen Band in der Karthalle Kaufbeuren live gespielt – mit dem sensationellen Leszek Falllinski am Keyboard.

🎬 Live-Aufnahme: „Justice is here“ – All-Kart-Halle Kaufbeuren (13. März 2015)

Eigentlich kämpfe ich mein Leben lang mit gesundheitlichen Rückschlägen, aber eines lasse ich mir nie nehmen: die Musik. Und da kommt noch einiges, denn aktuell arbeite ich an speziellen, unplugged-inspirierten Versionen meiner Songs für kommende Soloauftritte – „Justice is here“ wird natürlich auch dabei sein!

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Die Höfelmayr Kapelle

Administrator2 Docs Rock Blog 23. August 2026

Ein Kleinod über der Wertach und die Wunden der Vergangenheit

Höfelmayr Kapelle
Höfelmayr Kapelle

Wenn man derzeit mit dem Kamera-Equipment im Gepäck die Hänge im Osten von Kaufbeuren hinaufsteigt, liegt eine ganz besondere, fast greifbare Spannung in der Luft. Alles begann damit, dass ich mich im Rahmen eines historischen True-Crime-Projekts intensiv mit der Vergangenheit unserer Stadt auseinandergesetzt und das Buch „Der Fall Höfelmayr“ geschrieben habe – ein Werk, das glücklicherweise direkt in das Kaufbeurer Stadtarchiv aufgenommen wurde. Aus dieser intensiven Spurensuche heraus entstand in Zusammenarbeit mit J.P. Mellenberg die Idee, eine abendfüllende Dokumentation über den Fall zu drehen. Im Zuge dieser Dreharbeiten rückte schließlich die geschichtsträchtige Höfelmayr-Kapelle immer mehr in unseren Fokus – und bot den perfekten Anlass, diesem faszinierenden Ort diesen Beitrag zu widmen.

Wer von der Höfelmayr-Kapelle an der Augsburger Straße ins Wertachtal hinunterschaut, genießt einen der schönsten Ausblicke über unsere Stadt. Doch während wir hier oben an den Szenen feilen, blicken wir nicht nur auf eine Postkartenidylle, sondern tief in eine Geschichte voller Dankbarkeit, bürgerschaftlichem Engagement und tragischer Verbrechen.

Das Gelübde von 1855: Eine Kapelle aus Liebe und Dankbarkeit

Die Geschichte dieses einzigartigen neugotischen Bauwerks beginnt mit einer persönlichen Sorge und einem tiefen Versprechen. Im Jahr 1855 erkrankte Katharina Höfelmayr, die geliebte Frau des wohlhabenden Gutsbesitzers Johann Nepomuk Höfelmayr, schwer. In seiner Verzweiflung gelobte der damals 40-Jährige bei einer in Würzburg erhofften Genesung, „Maria zu Ehren und Gott zum Danke“ eine Kapelle zu errichten. Tatsächlich trat die Genesung ein, und Höfelmayr löste sein Versprechen 1858 ein, indem er die Kapelle auf einem Hochufer erbauen ließ. Im Altar eingemeiselt zeugt noch heute die Inschrift von diesem bewegenden Ursprung.

Tragisches Ende: Wenn der Traum zum Albtraum wird

Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit den Höfelmayrs. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Johann Nepomuk Höfelmayr im Alter von 51 Jahren die erst 18-jährige Franziska Pachmayr. Es sollte keine glückliche Verbindung sein. Am 10. Oktober 1870 endete das Leben des Gutsbesitzers auf tragische Weise: Aus Habgier wurde er von seinem erst 19-jährigen Schwager Otto Pachmayr in einem Waldstück am Eybach ermordet. Ein bis heute mahnendes Zeugnis dieser Bluttat ist das steinerne Denkmal, das sein Sohn Max aus erster Ehe errichten ließ.

 

 

 

 

 

 

Frau Gertraud Spindler: Die gute Seele der Kapelle

Durch einen wunderbaren Zufall durfte ich vor Beginn unserer Dreharbeiten Frau Gertraud Spindler kennenlernen – eine Begegnung, die unsere Arbeit von Grund auf bereichert hat. Bereits 1983 hat Frau Spindler unaufgefordert damit begonnen, die Höfelmayr-Kapelle sauber zu halten, weil es ihr ein tiefes Bedürfnis war. „Es war immer recht schmutzig dort. Da habe ich mir einen Besen und einen Eimer geschnappt!“, erzählte sie mir und begründete damit ihr stilles Ehrenamt. Für J.P. Mellenberg und mich war sie eine unschätzbare Stütze: Sie stellte uns zahlreiche wertvolle Unterlagen über die Kapelle zur Verfügung und vertraute uns sogar den Schlüssel an. Dadurch waren wir überhaupt erst in der Lage, auch das wunderbare Innere des Kirchleins mit all seinen Details in unsere Dreharbeiten einfließen zu lassen.

Besonders spannend und schaurig zugleich: Die Kapelle steht auf dem Tatort eines noch viel älteren Mordes – doch dazu bald an anderer Stelle mehr.

 

  

Aktuelles vom Set:

Genau diese faszinierenden Facetten – von der romantischen Entstehungsgeschichte über die dramatischen menschlichen Abgründe bis hin zur liebevollen Rettung und Pflege durch Menschen wie Frau Spindler – fangen J.P. Mellenberg und ich derzeit für unsere Dokumentation ein. Zwischen Kamerafahrten, historischen Aktenstudien und packenden Interviews an Originalschauplätzen erwacht die Geschichte zu neuem Leben.

Unsere Dreharbeiten laufen nach wie vor auf Hochtouren. Da die Aufarbeitung dieser historischen Spurensuche extrem tiefgreifend ist und wir absolut saubere Arbeit abliefern wollen, gehen wir momentan davon aus, dass der Film frühestens Anfang 2027 fertiggestellt sein wird. Bleibt gespannt – es bleibt spannend im Allgäu!

Special Podcast über die Höfelmayr Kapelle anhören? KLICK MICH AN

Special Podcast über diesen Blog Beitrag anhören? KLILCK MICH AN

Als Trostpflaster gibt es hier noch ein paar Impressionen von gestern:

  

 

Der Rost-Reiter, kalter Kaffee und ein Hauch von Leberkäs: Neues aus dem Allgäuer Noir-Universum

Administrator2 Docs Rock Blog 19. August 2026

HÖR DIR DEN SPECIAL PODCAST ÜBER DIESEN BLOGBEITRAG AN - KLICK MICH

Servus zusammen,

wenn die Gitarre einen Blues-Rock-Teppich ausrollt, der nach feuchtem Asphalt und Allgäuer Bergwind schmeckt, dann weiß man: Hier erzählt einer, der schon zu viel gesehen hat.

Genau da starten wir heute. Mit einem Song, der sich gewaschen hat: Der Rost-Reiter.

Der Rost ReiterNeuer Sound, alte Schmerzen: Der Song zum Buch

Musikalisch bewegt sich Der Rost-Reiter genau da, wo es wehtut und Laune macht: Im Spannungsfeld zwischen bayerischem Blues-Rock und atmosphärischem, humorvoll-kriminalistischen Storytelling.

  • Der Sound: Treibende, rockige Gitarrenriffs bilden das Fundament. Dazu sorgt eine stoische, wuchtige Rhythmussektion aus Bass und Schlagzeug für den nötigen Drive, der mit einer ordentlichen Portion Schmutz nach vorne geht. Atmosphärische Keyboard-Einsprengsel verpassen dem Ganzen den nötigen filmischen Noir-Anstrich.

  • Der Gesang: Kraftvoll, rau, direkt. Vorgetragen mit der erzählenden Präsenz eines Mannes, der den Allgäuer Winter im Nacken hat, gewürzt mit einer ordentlichen Portion bayerisch-trockenem Humor und einem leisen Augenzwinkern.

Worum es geht? Um den Fall Schrader natürlich. Um eisige Kälte, schmutziges Gold, Verbrechen und die unerbittliche Suche nach Gerechtigkeit, bei der am Ende jede Sünde verdammt wehtut.

 

 

 

 

 

Frische Tinte auf Papier: Taschenbuch-Updates! Der Fall Schrader

Apropos Schrader: Wer das Ganze lieber schwarz auf weiß in den Händen hält, statt nur im Ohr zu haben – gute Nachrichten!

  • Der Fall Schrader ist ab sofort sowohl als Taschenbuch als auch als E-Book erhältlich.

  • Und für alle, die darauf gewartet haben: Der Fall Höfelmayr ist nun endlich ebenfalls ganz frisch als Taschenbuch zu haben! Perfekt für den Leseabend auf der Couch.

 

Meine Bücher

 

Dreharbeiten an der Höfelmayr-Kapelle & neue Bewegtbilder

Wo wir gerade bei Höfelmayr sind: Die kreativen Gehirnzellen schlafen nicht. Kommenden Samstag gehen die Dreharbeiten für unsere Doku weiter!

  • John Paul macht die Kameras und die Drohne scharf.

  • Diesmal drehen wir an der geschichtsträchtigen Höfelmayr-Kapelle.

  • Außerdem tüftele ich gemeinsam mit Peter Würl an einem brandneuen Konzept, um spannende Geschichten aus und über Kaufbeuren und das Allgäu künftig in bewegten Bildern zu veröffentlichen. Bald gibt es hierzu alle Infos zum geplanten Kanal – stay tuned!

Dreharbeiten

Ikigai Mitsing-TherapieLive & in Farbe: Mitsing-Therapie im Ikigai

Weil mir zwischen Schreibtischtod und Saitenquälen scheinbar doch noch nicht langweilig genug ist, gibt es natürlich auch handgemachte Live-Musik um die Ohren:

  • Wann: 5. September, ab 18:00 Uhr.

  • Wo: Ikigai (Kaufbeuren).

  • Das Motto: Mitsing-Therapie – wer das Schlagwort hört, weiß sofort, was die Stunde schlägt.

Was euch erwartet? John Paul stellt vor Ort natürlich wieder die Kamera scharf. Dazu gibt es hochkarätige Verstärkung: Alex "Speedy" von der Country-Rock-Band Take Off schaut vorbei und wird ein paar gemeinsame Songs mit Doc Fetzer zum Besten geben.

Ob es weitere musikalische Gäste gibt? Und ob es vielleicht ein paar kurze Lesungen aus meinen Büchern geben wird? Auf beide Fragen gibt es aktuell keine verwertbare Antwort. Und ob sich eventuell das Fernsehen im Ikigai blicken lässt? Nun ja, dazu möchte ich noch keine Angaben machen – lassen wir uns überraschen! Gesichert dagegen: Mitsingen wird leichter - denn zum ersten Mal kommt meine brandneue WebApp zum Einsatz: SONGVIEW! Im Ikigai gibt es QR Codes und Links - und schwupp hast Du alle Texte auf Deinem Handy! Keine Angst nichts wird gespeichert. Du opferst also keinen Platz auf Deinem Handy! 

Einfach hinkommen. Aber Achtung: Platzeinnahme nur mit vorheriger Reservierung! Sichert euch rechtzeitig euren Stuhl unter: 📞 +49 171 7416761

Mehr gibt's fürs Erste nicht zu berichten.Schau Dir doch noch unten die kurzen Videoclips an?

 

Haltet die Ohren steif, Euer Doc Fetzer


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  1. Vorschau auf Musik, Krimis & Doku-Dreh!
  2. Das Sommerloch ist da – Hilfe, ich soll Nichts tun?
  3. Neues Buch
  4. Doc Fetzer's Singtherapie – Das Ikigai bebt wieder! 🎸🔥

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