Apr 04

Die Freudezeit beginnt... Empfehlung

geschrieben von 

Wenn Du erwartest dass ich hier jetzt über Ostern schreibe, dann muss ich Dich zumindest etwas enttäuschen. Aber wie ich Ostern verstehe kannst Du HIER NACHLESEN.

Ich liege gerade auf meinem Bett und überlege was ich denn nun künftig machen möchte. Ich hab mich jetzt so viele Jahre auf den verschiedensten Bühnen herum getrieben. Mal gefeiert, mal belächelt, mal geachtet, mal verachtet. In den letzten Jahren zunehmend unter erschwerten Bedingungen. Erst macht mir die Gesundheit einen großen Strich durch die Rechnung, als ich dafür dann Lösungen hatte kam Corona. 

Nein es wird jetzt auch kein großer Artikel darüber wie ich zu Corona stehe. Aber eines ist für alle gleich - Corona hat ziemlich alles verändert. Jetzt eiere ich hin und her. Ich versuche eine CD fertig zu stellen, was theoretisch gar nicht soo schwer wäre. Aber - momentan eher unmöglich. Obwohl eigentlich nicht mehr viel fehlt, ist es aufgrund der momentanen Beschränkungen eher nicht möglich die kleinen Schritte zu gehen. Denn es ist halt verboten. Wäre Corona nicht - dann wäre die CD fertig, und wir würden jetzt proben und Auftritte vorbereiten. Ich würde wieder Roadies engagieren die mir meine Sachen von A nach B fahren, Auf- und Abbau erledigen, mir einen Hocker auf der Bühne platzieren weil ich nicht so lange stehen kann. Aber auch das Proben steht still. Eine Mischung aus "darf ich nicht" und "ich möchte die Hygienevorschriften beachten" macht einen dicken fetten Strich durch die Rechnung.

Möglichkeiten wären ausreichend da. Es gäbe Auftrittsmöglichkeiten die locker den gesamten Sommer abgedeckt hätten. Aber irgendwie verliere ich das immer mehr aus den Augen. Eine große Frage geht mir immer wieder durch den Kopf: "Warum überhaupt noch?" Auf die Bühne geht es für mich aus eigener Kraft schon lange nicht mehr. Wenn dann nur mit jeder Menge Schmerzmittel und jeder Menge externer Hilfe. Also warum noch so einen Aufriss machen? Ich meine, irgendwann ist es doch gut - oder?  Vorab: Ich bin hier nicht auf Mitleid aus - ich möchte nur dass DU mich verstehst!

Ich sehe momentan keinen Ansatz, keine Option dass ich das so oder so machen werde. Rein musikalisch gesehen, darf ich ja eigentlich nicht schimpfen. Denn während für die meisten schon lange kein Spielen auf einer Bühne möglich ist konnte ich mit dem Worship-Team meiner Gemeinde trotzdem immer wieder live spielen. Aber das ist ja so gesehen kein Auftritt. Und das mache ich auch nicht für mich als Auftritt. Aber das soll jetzt auch nicht zum Thema werden. Ich möchte einfach wieder rein auf das kommerzielle zurück kommen. Der normale Ablauf ist ja - Musik aufnehmen. Musik veröffentlichen. Auftreten. Am Jahresende sollte sich dann finanziell ein Plus ergeben. Bei mir hat sich das schon vor ein paar Jahren verschoben. Zu erst hat mir die Gesundheit immer mehr Striche in die Rechnung gesetzt. Zu erst war es "nur" der Rücken. Heftige Schmerzen, neurologische Ausfälle - immer wieder Klinik-Aufenthalte, harte Medikamente. Das alleine hat es schon schwer gemacht zu planen. Leute finden die für Geld die Sachen tragen das hat schon immer geklappt. Schwieriger war die Planung. Denn es funktioniert ja nicht so dass man im Lokal XYZ am Montag anruft und sagt dass man am Wochenende vorbeikommt zum spielen. Ganz viel passiert im Hintergrund. Proben, Programm erstellen, Planen wer macht was, Werbung usw. All das wurde schwer - weil ja auch immer lauter die Frage war: "Bin ich da überhaupt daheim, oder doch im Krankenhaus?" Dann war ja im Spätsommer 2017 zuerst ein kleiner Lichtblick. Es sah so aus als bekäme ich alle Probleme in den Griff - und zack - Hammerdiagnose: Aortenaneurysma im Bauch. Große Operation, große Komplikationen, üble Folgen. Direkt danach kamen noch heftigere neurologische Ausfälle. Mein linkes Bein wollte so gar nicht mehr. Eine Mischung aus "ich kann es nicht bewegen" und übelsten Krämpfen über das ganze Bein weg. Also auf zur nächsten Operation: Spinalkanalstenose. Gerade so dem Rollstuhl entsprungen wieder der Versuch auf die Beine zu kommen. Aber irgendwas ist nicht ganz kuschelig. Beinahe so als hätte jemand eine Fernbedienung und kann auf Knopfdruck mein linkes Bein ausschalten. Aber nicht falsch verstehen. Die Rückenschmerzen: immer noch da. Im Bauch nach der großen OP Verwachsungen, die auch permanent weh tun. Jetzt also zusätzlich permanent Stürze. Plus - eine Erfahrung auf die ich wirklich hätte verzichten können: Urplötzlich spielt meine Blase komplett verrückt. Zunächst ein Zufallsbefund. In der Reha stürze ich mit stechenden Bauchschmerzen zu Boden. Der Notarzt bringt mich ins Krankenhaus Bad Tölz. Dort laufen sofort einige Untersuchungen. Nach den Internisten und Chirurgen kommt dir Urologin. Die sagt kurz und knapp: "Ich schicke sie jetzt auf die Toilette, da sollten so ca. 2 Liter rauskommen - sonst muss ich Ihnen einen Katheter legen!" Das wollte ich natürlich nicht - also ab auf die Toilette und okay so einen halben Plastikbecher voll hätte man glaube ich abmessen können....   Also nochmal Ultraschall. "Sie haben da noch mehr als 2 Liter drinnen" Also kam der Blasenkatheter. Ich hatte da keinerlei Erklärung dafür. Aber das war so der Auftakt für neue Probleme. Es folgte ein permanentes Chaos in meinem Leben. In etwa so, dass ich immer gegen Nachmittag Schmerzen im Bauch bekam, die immer heftiger wurden. Gegen Abend dann unerträglich, und letztlich dann der Notarzt kam - mich ins Krankenhaus brachte. Dort wurde ich dann stationär aufgenommen und dann nach 2-3 Tagen wieder nach Hause. Da hat sich dann alles wiederholt. Hatten die Urologen in Bad Tölz schon gesagt dass es ein Neurologisches Problem ist so haben die Urologen in Kaufbeuren sich darauf eingeschossen dass es das nicht sein kann. Viel wichtiger sei es an meiner Prostata herum zu schnipseln. Gesagt getan. Was wurde besser? Nichts! Dafür bekam ich on Top Entzündungen, Blutungen und noch mehr Schmerzen. Ich dachte immer: "Jetzt hilft mir bestimmt irgendwer". Aber es ging noch schlimmer. Also begann eine echte Ärzte-Rally. Nachdem die Krankenhausaufenthalte immer mehr wurden kamen nun auch die Kaufbeurer Urologen auf die Idee dass es was neurologisches sein muss. Auf einmal standen Sachen wie Pudendus Neuralgie und Neurogene Blase im Raum. Aber anstatt dass es eine Lösung gab wurde ich nur hin und her geschickt. Der Urologe: "Das ist eine neurologische Sache, sie müssen zum Neurologen!" Also auf die andere Straßenseite - denn da ist eine neurologische Praxis. Die Neurologin: "Das ist ja was urologisches, da kann ich sie nur zum Urologen schicken!" Tageweise bin ich nur von einer Straßenseite auf die andere - immer wieder von Notarzt und Klinikaufenthalten unterbrochen. Einmal war es so schlimm: ich hatte so heftige Schmerzen, auch etwas Fieber - und ich blutete wie ein angestochenes Schwein da raus wo eigentlich Urin rauskommen sollte. Beim Urologen wieder abgeblitzt und dann letztlich im Behandlungszimmer der Neurologin zu Boden gegangen vor Schmerzen. Ich glaube ganz ehrlich immer noch dass ich der einzige Mensch bin der auf eine Neurologie eingewiesen wurde mit der der Diagnose Urologische Entzündung. Und wie wird man auf einer Neurologie so behandelt? Nun man bekommt einen Blasenkatheter, und immer heftigere Antibiotika. 

Eines Tages bin ich auf der Station gestürzt. Mein Bettnachbar hat die Klingel gedrückt, denn ich war in meinem Katheter verfangen und konnte nicht aufstehen. Die Schwester die ins Zimmer kam musste über mich drüber steigen um meinen Bettnachbar fragen zu können was er denn wolle. Der hat mit den Fingern auf mich gezeigt, worauf die Schwester mit den Worten "da kommen wir dann später" wieder aus dem Zimmer ging. Kannst Du Dir vorstellen wie ich mich gefühlt habe? 

2017, 2018, 2019 habe ich mehr Zeit in Krankenhäusern verbracht als Zuhause. Schon Anfang 2018 bekam ich zusätzlich die Diagnose Chronische Schmerzen. Ich habe in dieser Zeit alle Schmerzmittel bekommen die man bekommen kann. Die vermeintlich harmlosen wie Ibuprofen & Co (die ich für viel gefährlicher halte als alles andere) wie auch alles was sonst so möglich ist. Man hat es mit Neuroleptika versucht, mit Antidepressiva - mit Opiaten und Morphium in allen Varianten und Formen. Bis hin zu Fentanyl hatte ich alles. Ich habe 24/7 Schmerzen. Damals war es so, dass ich wählen konnte zwischen Schmerzen die mich wahnsinnig machten oder Opiaten & Co die mich ausgeknockt haben. Seit Januar 2020 bekomme ich Canabis und komme damit eigentlich ziemlich gut zurecht. Habe ich trotzdem noch Schmerzen? Ja. Aber die heftigen Spitzen waren lange komplett weg. Und sonst? Alles wie es war. Bauchschmerzen, Rückenschmerzen beides JA. Linkes Bein das manchmal ausfällt: Ja! Krampfattacken? JA!  Was wurde denn aus den Urologischen Sachen? Ja auch gleich geblieben. Aber ich habe bei einem langem Krankenhausaufenthalt im Münchner Klinikum Rechts der Isar gelernt selbst zu kathetern (4-6 mal am Tag). Dadurch kommt der Notarzt weit aus weniger zu mir, und Krankenhausaufenthalte sind seltener geworden. Meine Leber hat halt dadurch einen schweren Schaden genommen. Außerdem habe ich ein Lungenemphysem. Angeblich auch Divertikel. Ja und es stimmt: ich habe eine kPTBS. Ich überlasse es da jetzt Dir zu Googlen was das ist. Wenn Du es gefunden hast - dann weißt Du ja jetzt warum ich mich vielleicht manchmal anders verhalte? War es das jetzt mit Diagnosen? Hmmm....  nee! Also Du könntest vielleicht davon wissen dass ich Schwerhörig bin, und ohne meine Hörgeräte ziemlich aufgeschmissen bin. Eher nur engere Freunde wissen von meiner Schlafapnoe und dem Beatmungsgerät das in meinem Schlafzimmer steht. Manche wissen dass ich ein großes Loch da habe wo andere eine Nasenscheidewand haben. Wiederum mehr wissen dass ich Osteoporose habe. Ich bin wie man so schön sagt zu 100% dauerhaft Erwerbsgemindert und habe PG 2. Ich weiß nicht wie es Dir geht, ob Du ähnliches hast? Aber vielleicht kannst Du mich verstehen dass ich mir die Frage stelle: "Warum überhaupt noch?" Ich bin wegen dem ganzen auch in psychologischer Behandlung, und habe die Frage meiner Psychologin gestellt. Okay deshalb zähle ich jetzt offiziell auch noch als suizidal. 

Keine Ahnung wie ein Tag so bei Dir losgeht. Ich komme immer irgendwie zu mir. Dann überlege ich mir immer einen Grund auf die Frage "Warum weitermachen?" Ja - Glaube spielt in meinem Leben eine große Rolle. Als ich meine Frau kennen gelernt habe, habe ich auch den Glauben neu kennengelernt. Ich habe mich wie man so schön sagt "bekehrt". Dann habe ich die Entscheidung getroffen und mich taufen lassen. Mehrmals hab ich die Bibel gelesen und bin aktiv in der Gemeinde tätig. Ich kenne viele die das nicht verstehen. Und die meisten denken glaube ich dass ich das mache weil ... Ich möchte DIR sagen, das mache ich einzig und alleine für mich! Ich muss immer etwas in mich reinlächeln wenn mir Menschen (die selbst in den allermeisten Fällen gar nichts mit Glaube zu tun haben) mir sagen dass dieses oder jenes ja gar nicht christlich sei. Oder es nur christlich ist wenn ich ...  Aber das ist vermutlich besonders in - Sachen zu beurteilen von denen man gar nichts versteht. Nur soviel als Beweis dass ich das nur für mich selbst tue: Kein Mensch kann irgendwas tun was Gott beeindruckt! Also - Thema geklärt? Ich kenne viele Leute in unserer Gemeinde die Ihren Tag ganz anders anfangen als ich, zumindest sagen sie das. Ich gebe zu dass ich meist erst einen gefühlten Liter Kaffee brauche bevor ich beten kann. 

Ja - und dann gibt es noch den Typ Mensch der mich immer wieder fragt: "Was willst Du denn mit Deinem Gott, wenn er Dich sowieso nicht heilt? Warum hat er dich krank gemacht?" Also das mit dem Nicht-Heilen kann ich ehrlich auch nicht beantworten. Aber ich weiß ganz gewiss dass er mich nicht krank gemacht hat. Ich hoffe es ist okay wenn ich dazu jetzt nicht mehr schreibe. Gerne ein andermal mehr dazu - aber jetzt möchte ich nicht weiter abbiegen in die Schiene. 

Was ist denn nun? Wie geht es weiter? Also sicher sagen kann ich momentan nur: Aufnehmen? Ja sicher doch, auch veröffentlichen. Worship in der Gemeinde? Ja - auf jeden Fall! Bloß "normale" Auftritte - da möchte ich momentan ein Fragezeichen dahinter setzen. Auftritte haben mir zwar immer geholfen, gerade mit der kPTBS, aber es wird halt immer schwerer. Wenn ich es heute für alle Zeiten beschließen muss, dann würde ich NEIN sagen. Aber heute ist ja nicht alle Tage - hat früher Paulchen Panther gesagt. 

Und wie geht es mit mir als Mensch weiter? Auch heute früh bin ich so dagelegen und habe nach dem einen Grund gesucht. Und da ich diesen (zugegeben etwas längeren) Artikel geschrieben habe, habe ich offensichtlich einen gefunden. Zumindest für heute!

Was auch immer die Zukunft bringt - ich wünsche DIR dass es Dir gut geht!

 

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